Das Verkehrslexikon



LG Görlitz v. 06.06.2018: Sperrfristverkürzung nach Teilnahme an einer Verkehrstherapie


Das Landgericht Görlitz (Beschluss vom 06.06.2018 - 13 Qs 48/18) hat entschieden:

   Nach der erfolgreichen Teilnahme eines wegen fahrlässiger Trunkenheitsfahrt zu einer Geldstrafe Verurteilten kann eine Sperrfrist von 9 Monaten vorzeitig - hier nach ca. 2 Monaten - aufgehoben werden, wenn sich aus der verkehrspsychologischen „Schulung neue Tatsachen ergeben, die Grund zu der Annahme bieten, dass der Verurteilte nicht mehr fahrungeeignet ist.





Siehe auch

Die Sperrfristverkürzung durch das Strafgericht - nachträglicher Wegfall der Sperrfrist

und

Wiedererteilung der Fahrerlaubnis - Wiedererlangung der Fahreignung


Gründe:


I.

Das Amtsgericht Bautzen gegen den Beschwerdeführer am 5. Dezember 2017, rechtskräftig seit dem 18. Januar 2018, wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr durch Strafbefehl eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen zu je 40,00 Euro verhängt und gegen ihn eine Fahrerlaubnissperre von neun Monaten angeordnet.

Im Strafbefehl wurde dem Verurteilten folgender Sachverhalt zur Last gelegt:

   "Sie fuhren am 3. November 2017, gegen 16.45 Uhr, mit dem PKW, amtliches Kennzeichen: …, auf der Bundesautobahn 4, Dresden - Görlitz, Anschlussstelle Uhyst, Kilometer 37,4, in 01906 Burkau, OT Uhyst a. T., obwohl Sie infolge vorangegangenen Alkoholkonsums fahruntüchtig waren.

Eine bei Ihnen am 3. November 2017, um 17.26 Uhr, genommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,31 Promille. Zur Tatzeit betrug Ihre Blutalkoholkonzentration 1,38 Promille.

Ihre Fahruntüchtigkeit hätten Sie bei kritischer Selbstprüfung erkennen können und müssen.

Durch die Tat haben Sie sich als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen."




Strafrechtlich wurde dieser Sachverhalt als fahrlässige Trunkenheit im Verkehr gemäß §§ 316 Abs. 1 und 2, 69, 69a StGB gewertet.

Der Beschwerdeführer nahm in der Zeit von Januar 2018 bis Februar 2018 an einer verkehrspsychologischen Maßnahme der AFN teil. Diese bestand aus zwei Einzelgesprächen von jeweils einer Stunde sowie einem AFN-​Kurs (ALFA) mit insgesamt zehn Gruppenstunden. Ziel der Maßnahme war es, den Verurteilten durch eine Einstellung- und Verhaltensänderung in die Lage zu versetzen, weitere Alkoholfahrten in Zukunft zuverlässig zu vermeiden. Dies erfolgte durch Besprechung folgender Inhalte:

selbstkritische Bearbeitung des aktenkundigen Vorfalls und seiner Ursachen

Verhaltens- und Einstellungsänderungen

angemessenes Verständnis der persönlichen Ursachen des früheren Alkoholmissbrauchs

Vermeidung künftiger Trunkenheitsfahrten
Wissen zum Problemkreis Alkohol (Promillegrenze, Promilleberechnung, Alkoholabbau)




Eine entsprechende Bescheinigung, unterzeichnet durch die Diplompsychologin …, der AFN, Gesellschaft für Ausbildung, Fortbildung und Nachschulung e. V., legte der Beschwerdeführer bei.

Mit Schriftsatz vom 7. März 2018 wurde die vorzeitige Aufhebung der Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beim Amtsgericht Bautzen beantragt. Dieser Antrag wurde mit Beschluss des Amtsgerichts Bautzen vom 24. April 2018 abgelehnt. Auf die dortige Begründung wird Bezug genommen.

Hiergegen richtet sich die sofortige Beschwerde des Beschwerdeführers vom 2. Mai 2018. Die Beschwerde wurde über die Staatsanwaltschaft Görlitz, Zweigstelle Bautzen - ohne weiterführende Stellungnahme der Staatsanwaltschaft - dem Landgericht Görlitz, Außenkammern Bautzen, zur Entscheidung vorgelegt.




II.

Die gemäß §§ 463 Abs. 6, 462 Abs. 3 StPO statthafte sofortige Beschwerde ist innerhalb der Wochenfrist des § 311 Abs. 2 StPO ordnungsgemäß eingelegt worden.

Die damit zulässige Beschwerde hat auch in der Sache Erfolg. Sie führt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses sowie zur vorzeitigen Aufhebung der gegen den Beschwerdeführer verhängten Fahrerlaubnissperre gemäß § 69a Abs. 7 StGB. Die vorzeitige Aufhebung der Fahrerlaubnissperre war hier gerechtfertigt.

Die formellen Voraussetzungen für die vorzeitige Aufhebung der Sperre (§ 69a Abs. 7 Satz 2 1. Halbsatz i.V.m. Abs. 3 StGB) sind gegeben.

Es besteht hier auch aufgrund neuer Tatsachen Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer heute zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht mehr ungeeignet ist. Es liegen nämlich erhebliche neue Tatsachen vor, die den Schluss rechtfertigen, der Beschwerdeführer besitze nunmehr entgegen der Prognose des erkennenden Gerichtes das für einen Kraftfahrer unerlässliche Verantwortungsbewusstsein und werde die Allgemeinheit in Zukunft nicht mehr gefährden (vgl. KG, Beschluss vom 7. August 1998 - 3 Ws 420/98).

Der Beschwerdeführer hat nämlich durch die Vorlagebescheinigung vom 20. Februar 2018 nachgewiesen, dass er in der Zeit vom Januar 2018 bis Februar 2018 aktiv an Sitzungen einer verkehrspsychologischen Therapie (Gruppengespräche und Einzelgespräche) freiwillig und regelmäßig teilgenommen hat. Damit hat er deutlich bekundet, dass er Einsicht in das Unrecht seines Handelns hat und die Ursachen seines unrechtmäßigen Handelns angeht.

Die Durchführung des Seminars folgte auch durch eine Person, welche sich auf der Liste der im Freistaat Sachsen anerkannten Seminarleiterinnen "Verkehrspsychologie" für die verkehrspsychologische Teilmaßnahme des Fahreignungsseminars befindet; eine entsprechende Seminarerlaubnis Verkehrspsychologie gemäß § 4a Abs. 3 StVG liegt somit vor.

Bis zu der oben dargestellten Verurteilung war der Beschwerdeführer strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.




Die Beschwerdekammer hat aktuelle Auszüge aus dem Bundeszentralregister und dem Verkehrszentralregister eingeholt, weitere Einträge waren nicht zu verzeichnen.

Damit ist bei dem Angeklagten eine Nachreife eingetreten, die aus heutiger Sicht die vorzeitige Aufhebung der Sperrfrist rechtfertigt.

III.

Die Kostenentscheidung beruht auf analoger Anwendung des § 467 Abs. 1 StPO.

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