Das Verkehrslexikon

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Störung von Anlagen oder Einrichtungen, die der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit dienen




Gliederung:


-   Einleitung
-   Allgemeines



Einleitung:


Gemäß § 316b Abs. 1 Nr. 3 StGB macht sich strafbar, wer den Betrieb einer der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit dienenden Einrichtung oder Anlage stört-

Es ist fraglich, ob hierunter auch Handlungen zu subsumieren sind, durch die das Durchführen von Maßnahmen zur Feststellung von Geschwindigkeitsverstößen durch stationäre Messanlagen verhindert werden soll, indem beispielsweise eine Fahrzeug oder sonstiger Gegenstand so positioniert wird, dass der Messstrahl unterbrochen wird.

Hierzu hat der BGH (Beschluss vom 15.05.2013 - 1 StR 469/12) ausgeführt:

   "Vorliegend hat der Angeklagte die beabsichtigten Geschwindigkeitsmessungen allein dadurch verhindert, dass er mit seinen jeweils in Richtung des Messstrahls geparkten Fahrzeugen Messungen anderer vorbeifahrender Fahrzeuge verhinderte. Dabei wirkte er jedoch, anders als bei dem vom Oberlandesgericht Stuttgart (NStZ 1997, 342 f.) entschiedenen Fall, nicht einmal äußerlich durch Beschmieren oder bspw. Bekleben auf die Substanz der Sache ein. Es lag mithin keine Manipulation an dem Messgerät selbst oder einem wesentlichen Teil davon vor, die zu einer tatsächlichen Funktionsminderung geführt haben könnte, was aber Voraussetzung einer Tatbestandsmäßigkeit wäre (zur Erforderlichkeit einer Einwirkung auf die Sachsubstanz vgl. OLG Celle, NStZ 2005, 217; BVerfG NVwZ 2006, 583; LK-​StGB/Wolff, 12. Aufl., § 317 Rn. 9, 11; SK-​StGB/Wolters, 129. Lief. § 316b Rn. 10; Fischer, aaO; Lackner/Kühl, StGB, 27. Aufl., § 316b Rn. 5). Der Generalbundesanwalt hat insoweit zutreffend darauf hingewiesen, dass derjenige den Tatbestand nicht erfüllt, der einen Fernsprechanschluss dadurch blockiert, dass er diesen anwählt und nicht auflegt (vgl. LK-​StGB/Wolff aaO). Dem entspricht auch, dass bei Blockadeaktionen gegenüber einem Zug es nicht ausreichend ist, wenn dessen Weiterfahrt durch Personen auf den Gleisen verhindert wird; erst bei einem direkten Einwirken auf die Gleise selbst kann der Tatbestand gegeben sein (OLG Celle NStZ 2005, 217 f.).

So liegt der Fall auch hier. Mit dem Parken seiner Fahrzeuge vor dem Sensor der Messeinheit hat der Angeklagte zwar weitere Messungen anderer Fahrzeuge verhindert, an einem direkten Einwirken auf die Sachsubstanz fehlte es aber. Dies erweist sich schon daraus, dass bereits ein leichtes Versetzen des Messfahrzeuges oder (je nach Gerät) auch nur der Messeinrichtung Messungen wieder möglich gemacht hätte. Insoweit unterscheidet sich der Sachverhalt auch von den Fallgestaltungen der Oberlandesgerichte Stuttgart (NStZ 1997, 342 f. - Beschmieren des Fotoobjektivs) und München (NJW 2006, 2132 f. - Überbelichtung des Fotofilms durch Blitzlichtreflexion), bei denen eine bloße Veränderung des Standorts - auch wenn dies praktisch nicht möglich gewesen wäre - nichts an der allerdings nur vorübergehenden Beeinträchtigung der Anlage selbst geändert hätte."

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Allgemeines:


Geschwindigkeitsmessungen

OLG Stuttgart v. 03.03.1997:
Technische Hilfsmittel, deren sich ein öffentlicher Betrieb zur Erfüllung seiner Aufgaben bedient, sind keine eigenständig von StGB § 316b Abs 1 Nr 3 geschützten Anlagen (hier: Stationäre "Radaranlage"). Die für die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten zuständige untere Verwaltungsbehörde (Bußgeldbehörde) ist keine der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit dienende Einrichtung iSd StGB § 316b Abs 1 Nr 3. Dem Schutzbereich der Norm unterfallen nur Einrichtungen und Anlagen, die der unmittelbaren Abwehr von Gefahren für bedeutende Rechtsgüter der Allgemeinheit oder des einzelnen dienen.

OLG München v. 15.05.2006:
Das Anbringen von Reflektoren, mit denen die von der Kamera einer Verkehrsüberwachungsanlage gefertigte Aufnahme unbrauchbar gemacht wird, erfüllt nicht den Tatbestand der Fälschung technischer Aufzeichnungen (§ 268 Abs. 3 StGB). Es kommt jedoch eine Strafbarkeit wegen Sachbeschädigung gemäß § 303 Abs. 1 StGB in Betracht.

OLG Karlsruhe v. 17.08.2012:
Eine Geschwindigkeitsmessanlage ist nach Auffassung des Senats eine der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit dienende Anlage im Sinne des § 316 b Abs. 1 Nr. 3 StGB. Hat der Angeklagte durch das Parken seiner Fahrzeuge unmittelbar vor ihr das Unterbrechen des Laser- bzw. Radarstrahls bewirkt, so hat er die Funktionsfähigkeit der Anlage nicht unerheblich beeinträchtigt und sich gem. § 316b Abs. 1 Nr. 3 StGB strafbar gemacht.

BGH v. 15.05.2013:
Die Unbrauchbarmachung einer dem Betrieb dienenden Sache gemäß § 316b Abs. 1 Nr. 3 StGB erfordert für ein tatbestandsmäßiges Verhalten eine Einwirkung auf die Sachsubstanz. Die Behinderung einer Geschwindigkeitsmessung durch eine parkendes Fahrzeug erfüllt diese Voraussetzung nicht.

BGH v. 25.02.2021:
Zur Definition einer Anlage (§ 316b Abs. 1 StGB) und zur Einordnung von Geschwindigkeitsmessvorrichtungen als solche

Amtsgericht Paderborn v. 19.03.2024:
Umwerfen einer mobilen Geschwindigkeitsmessanlage als Störung öffentlicher Betriebe (§ 316b Abs. 1 Nr. 3 StGB)

BGH v. 13.04.2023:
Haftung eines privaten Unternehmens bei Straßenbauarbeiten; Abgrenzung zur Amtshaftung bei eigenem Ausführungsspielraum

VGH München v. 12.08.2026:
Werbeanlagen in Form von Fahrzeuganhängern; bauplanungsrechtliche Unzulässigkeit im Außenbereich; Ablenkung des Verkehrs.

BGH v. 05.12.2023:
Voraussetzungen des räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer (§ 316a Abs. 1 StGB) bei Straßenblockade und späterer Gewaltanwendung

Landgericht Münster v. 30.05.2018:
Nötigung im Straßenverkehr durch Blockieren von Kraftfahrzeugen mittels Fahrrad

Landgericht Paderborn v. 25.10.2024:
Zur Störung öffentlicher Betriebe durch vorsätzliches Umstoßen von Geschwindigkeitsmessanlagen; Beweiswürdigung der Einlassung

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 21.07.2023:
Ordnungsverfügung zur Entfernung eines außer Betrieb gesetzten Fahrzeugs aus dem öffentlichen Verkehrsraum

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 06.02.2024:
Zur Anordnung eines Durchfahrtsverbots wegen Lärm- und Abgasbelästigung durch die Poser- und Raserszene

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 05.06.2026:
Zur Beseitigung von Blumenkübeln auf dem Gehweg bei fehlender Sondernutzungserlaubnis und Nachschieben von Gründen

Oberverwaltungsgericht NRW v. 06.10.2017:
Zur Verantwortlichkeit des Aufstellers von Altkleidersammelcontainern für verkehrswidriges Verhalten der Benutzer

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 11.01.2017:
Sammelcontainer: Verkehrsgefährdung und Sondernutzung durch herausgefordertes Verhalten der Benutzer

Oberverwaltungsgericht NRW v. 14.12.2016:
Zur Verantwortlichkeit für Verkehrsverstöße Dritter bei Altkleidersammelcontainern auf Privatgrundstück

Verwaltungsgericht Köln v. 31.10.2019:
Zur Rechtmäßigkeit einer Abschleppmaßnahme bei Parkverstoß und der Kostentragungspflicht des Halters

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 23.05.2019:
Zur Genehmigung von Windenergieanlagen im Bereich der Anbaubeschränkungszone einer Bundesautobahn und der Prüfung der Verkehrssicherheit

Verwaltungsgericht Köln v. 13.03.2019:
Rechtmäßigkeit einer Abschleppmaßnahme und Gebührenerhebung bei Parken vor Grundstücksein- oder -ausfahrt

Amtsgericht Düsseldorf v. 02.02.2016:
Zur Disziplinargewalt einer Taxigenossenschaft gegenüber Nichtmitgliedern und Beweiswert von Datenfunkprotokollen

Verwaltungsgericht Köln v. 09.12.2014:
Zur Rechtmäßigkeit des Abschleppens eines auf dem Gehweg geparkten Fahrzeugs bei verbleibender Restbreite und Ausweichmöglichkeit auf Grünfläche

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 05.12.2014:
Versagung der Genehmigung für Krankentransport- und Rettungstransportfahrten: Anforderungen an Betriebssicherheit und Schutz des öffentlichen Rettungsdienstes.

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 04.12.2014:
Zur Versagung einer Baugenehmigung für eine Werbeanlage bei Verkehrsgefährdung an einem Unfallschwerpunkt

Verwaltungsgericht Münster v. 31.01.2014:
Kostenerstattung für abgebrochene Abschleppmaßnahme bei unberechtigtem Gehwegparken; kein Notarzteinsatz als Rechtfertigungsgrund

Verwaltungsgericht Köln v. 21.01.2016:
Zur Erstattung von Abschleppkosten bei Parken auf Sperrfläche und der Rechtmäßigkeit des Gebührenbescheides

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 22.09.2014:
Zur Unzuverlässigkeit eines gewerblichen Sammlers von Alttextilien und -schuhen bei Verstößen gegen Abfall- und Straßenrecht

Verwaltungsgericht Minden v. 28.02.2013:
Zur Zuständigkeit der Polizei bei Abschleppmaßnahmen im ruhenden Straßenverkehr und der Erstattungsfähigkeit von Gebühren

Oberverwaltungsgericht NRW v. 03.05.2012:
Zur Teilgenehmigung einer Test- und Präsentationsstrecke und immissionsschutzrechtlichen Anforderungen an den Betrieb

Oberverwaltungsgericht NRW v. 03.05.2012:
Zur sofortigen Vollziehung einer Teilgenehmigung für eine Test- und Präsentationsstrecke für Kraftfahrzeuge und Lärmschutzauflagen

BVerwG v. 03.03.2011:
Planfeststellungsverfahren für Straßenbauvorhaben: Auslegung von Planunterlagen, Einwendungspräklusion und Lärmschutz

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 22.11.2012:
Zur Baugenehmigung von Mega-Light-Werbeanlagen bei konkreter Verkehrsgefährdung an unfallträchtigen Kreuzungen

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 22.11.2012:
Baugenehmigung für Mega-Light-Werbeanlage; Verkehrsgefährdung an unfallträchtigem Kreuzungsbereich

Verwaltungsgericht Köln v. 25.11.2010:
Zur Rechtmäßigkeit einer Abschleppmaßnahme bei temporärem Haltverbot und der Beweiswürdigung zur Aufstellung der Schilder

Verwaltungsgericht Köln v. 05.05.2010:
Zur Ablehnung einer Sondernutzungserlaubnis für die Befahrung eines Geh- und Radwegs und der Entfernung eines Drängelgitters

OLG Hamm v. 04.05.2010:
Unwirksamkeit eines generellen Alkoholverbots auf öffentlichen Grünflächen und Verkehrsflächen

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 17.02.2010:
Zwangsgeldfestsetzung wegen Abstellens abgemeldeter Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum; Verfügungsgewalt über Fahrzeuge

Verwaltungsgericht Köln v. 03.12.2009:
Zur Kostentragungspflicht für Abschleppmaßnahmen bei Parken im Haltverbot für Filmaufnahmen

Verwaltungsgericht Köln v. 10.09.2009:
Zur Abschleppmaßnahme bei Verstoß gegen eingeschränktes Haltverbot und konkreter Behinderung

Verwaltungsgericht Köln v. 28.05.2009:
Zum Abschleppen eines nicht angemeldeten Unfallfahrzeugs von öffentlichem Grund und der Kostenerstattungspflicht

Verwaltungsgericht Köln v. 26.02.2009:
Zur Rechtmäßigkeit des Abschleppens eines auf dem Gehweg parkenden Fahrzeugs bei Funktionsbeeinträchtigung

Verwaltungsgericht Köln v. 16.10.2008:
Abschleppen aus Ladezone und Haltereigenschaft bei Fahrzeugzulassung im Ausland

Oberverwaltungsgericht NRW v. 01.04.2008:
Zur Ausnahmegenehmigung für Blaulicht und Einsatzhorn an Fahrzeugen für den Bluttransport

OLG Düsseldorf v. 15.06.2008:
NEEDS_REVIEW: Titelzeile fehlt

Verwaltungsgericht Köln v. 11.10.2007:
Zur Rechtmäßigkeit einer Abschleppmaßnahme und der Kostenpflicht bei Parkverstoß vor Kreuzung und Bordsteinabsenkung

Verwaltungsgericht Köln v. 13.09.2007:
Zur Erforderlichkeit von Nachforschungsversuchen bei Abschleppmaßnahme wegen Parkens in Feuerwehrzufahrt

Verwaltungsgericht Münster v. 10.08.2007:
Zur Kostenbeteiligung der Gemeinde bei Umbau von Bahnübergängen aus Rationalisierungsgründen

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 27.10.2006:
Zum Abschleppen und Einlagern eines als Abfall anzusehenden Fahrzeugs aus dem öffentlichen Straßenraum

Verwaltungsgericht Münster v. 23.05.2007:
Zur Betriebsbereitschaft eines Radarwarngeräts und dessen Sicherstellung

Verwaltungsgericht Aachen v. 10.05.2006:
Zum Abschleppen eines in einer Fußgängerzone verbotswidrig abgestellten Fahrzeugs und der Erstattung der Abschleppkosten

Verwaltungsgericht Köln v. 30.06.2008:
Zum Abschleppen eines unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz abgestellten Fahrzeugs und den Kosten einer Leerfahrt

Verwaltungsgericht Köln v. 11.10.2007:
Zur Kostentragungspflicht bei Abschleppmaßnahmen nach Parkverstoß im Haltverbot

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 09.08.2005:
Anbringungsverbot von Werbeanlagen bei Beeinträchtigung von Verkehrseinrichtungen (§ 33 Abs. 2 Satz 1 StVO)

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