Das Verkehrslexikon

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Spurwechsel auf der Autobahn


Selbst wenn - möglicherweise bereits auf Grund des Anscheinsbeweises - fest steht, dass eine Autobahnkaramboulage durch einen Spurwechsel eines Vorausfahrenden verursacht wurde, kommt es häufig vor, dass der durch den Spurwechsel behinderte Unfallgegner seinerseits sich nicht an die empfohlene Richtgeschwindigkeit
von 130 km/h gehalten hat

In derartigen Fällen ist dann bei der Haftungsabwägung zu prüfen, ob sich - generell oder aber bei der Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls - aus der Überschreitung der Richtgeschwindigkeit eine Mithaftung ergibt.









Gliederung:


- Allgemeines




Allgemeines:


Autobahn-Themen
Autobahn
Beschleunigungsstreifen - Einfahren in die BAB
Richtgeschwindigkeit
Sichtfahrgebot
Verzögerungsstreifen - Ausfahren aus der BAB

BGH v. 13.12.2016:

1. Bei Auffahrunfällen kann, auch wenn sie sich auf Autobahnen ereignen, der erste Anschein dafür sprechen, dass der Auffahrende den Unfall schuldhaft dadurch verursacht hat, dass er entweder den erforderlichen Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat (§ 4 Abs. 1 StVO), unaufmerksam war (§ 1 StVO) oder mit einer den Straßen- und Sichtverhältnissen unangepassten Geschwindigkeit gefahren ist (§ 3 Abs. 1 StVO) (Fortführung Senatsurteil vom 13. Dezember 2011, VI ZR 177/10, BGHZ 192, 84 Rn. 7).

2. Der Auffahrunfall reicht als solcher als Grundlage eines Anscheinsbeweises aber dann nicht aus, wenn weitere Umstände des Unfallereignisses bekannt sind, die - wie etwa ein vor dem Auffahren vorgenommener Spurwechsel des vorausfahrenden Fahrzeugs - als Besonderheit gegen die bei derartigen Fallgestaltungen gegebene Typizität sprechen (Fortführung Senatsurteil vom 13. Dezember 2011, VI ZR 177/10, BGHZ 192, 84 Rn. 7).

3. Bestreitet der Vorausfahrende den vom Auffahrenden behaupteten Spurwechsel und kann der Auffahrende den Spurwechsel des Vorausfahrenden nicht beweisen, so bleibt - in Abwesenheit weiterer festgestellter Umstände des Gesamtgeschehens - allein der Auffahrunfall, der typischerweise auf einem Verschulden des Auffahrenden beruht. Es ist nicht Aufgabe des sich auf den Anscheinsbeweis stützenden Vorausfahrenden zu beweisen, dass ein Spurwechsel nicht stattgefunden hat.




LG Kiel v. 19.08.2015:

1. Auch auf einer mehrspurigen Autobahn darf ein Fahrstreifen nur gewechselt werden, wenn gleichzeitig eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist (§ 7 Abs. 5 StVO).

2. Der Umstand, dass der sich spurtreu verhaltende Verkehrsteilnehmer der die Richtgeschwindigkeit erheblich überschreitet (hier: 160-180 km/h), wirkt sich dann nicht unfallursächlich aus, wenn der Spurwechsel in kürzestem Abstand und ohne vorherige Ankündigung vollzogen wird, mithin völlig unversehens kommt.


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