Entscheidungen in einem förmlichen beamtenrechtlichen Disziplinarverfahren können angezeigt sein, wenn die strafrechtliche Ahndung für sich allein nicht ausreicht, um den gesamten Umfang von Pflichtenverstößen abzudecken.
Insofern verstoßen derartige Entscheidungen auch nicht gegen das Doppelbestrafungsverbot.
Bei der Festsetzung der Disziplinarmaßnahmen haben sehr viele Umstände eine erhebliche Bedeutung. Ganz wesentlich ist beispielsweise, ob es sich um ein Verhalten im dienstlichen oder im privaten außerdienstlichen Bereich gehandelt hat. Auch spielt eine Rolle, ob das im Disziplinarverfahren zu beurteilende Verhalten bereits strafrechtlich verfolgt und sanktioniert wurde; auch Schwere und persönliche Folgen der Strafe für den Betroffenen sind zu berücksichtigen.
Viel mehr als im Strafverfahren werden das gesamte Vorleben und das sonstige berufliche Verhalten bei der Persönlichkeitsbeurteilung gewichtige Abwägungsfaktoren sein.
BVerwG v. 11.12.2018:
Verursacht ein Soldat außerdienstlich durch eine grob fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung den Tod eines Menschen, ist Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen die Dienstgradherabsetzung.
BVerwG v. 23.01.2020:
Verursacht ein Soldat außerdienstlich durch eine grob fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung den Tod eines Menschen, ist Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen die Dienstgradherabsetzung.
VG Oldenburg v. 12.05.2003:
Die Entlassung eines Soldaten auf Zeit nach § 55 Abs. 5 SG wegen der Misshandlung von Rekruten ist auch dann nicht zu beanstanden, wenn es erstmalig unter Alkoholeinfluss erfolgte.
OVG Greifswald v. 07.07.2021:
Die Wertung des Dienstherrn, dass aufgrund einer einmaligen Trunkenheitsfahrt berechtigte Zweifel an der persönlichen und charakterlichen Eignung als Polizeikommissaranwärter im Beamtenverhältnis auf Widerruf bestehen, ist im vorliegenden Einzelfall zu beanstanden.
BVerwG v. 03.06.2026:
Zum disziplinarrechtlichen Ausgangspunkt bei außerdienstlichem Alleinrennen mit fahrlässiger Körperverletzung eines Soldaten
BVerwG v. 22.06.2023:
Beförderungsverbot bei außerdienstlicher fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Körperverletzung durch Soldaten
BVerwG v. 26.10.2021:
Einbehaltung von Dienstbezügen bei Verdacht auf Dienstvergehen durch tödlichen Verkehrsunfall unter Alkohol und hoher Geschwindigkeit
BVerwG v. 17.06.2021:
Disziplinarrechtliche Zumessung bei fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr durch Soldaten: Beförderungsverbot oder Dienstgradherabsetzung
BVerwG v. 23.01.2020:
Dienstgradherabsetzung bei grob fahrlässiger außerdienstlicher Straßenverkehrsgefährdung mit Todesfolge
Amtsgericht Köln v. 23.04.2026:
Zur Bestechlichkeit eines städtischen Außendienstmitarbeiters bei der Aufklärung eines Rotlichtverstoßes und zur Glaubwürdigkeit eines Zeugen
Verwaltungsgericht Minden v. 26.04.2018:
Zur Rechtswidrigkeit der Entlassung eines Soldaten auf Zeit wegen mangelnder Eignungsprognose aufgrund von Verkehrsverstößen
Amtsgericht Düsseldorf v. 02.02.2016:
Zur Disziplinargewalt einer Taxigenossenschaft gegenüber Nichtmitgliedern und Beweiswert von Datenfunkprotokollen
BVerwG v. 18.06.2015:
Zur disziplinarrechtlichen Bewertung des Fahrens ohne Fahrerlaubnis durch einen Soldaten
BVerwG v. 29.10.2013:
Zur disziplinarrechtlichen Maßnahmebemessung bei unbefugter Weitergabe von Kfz-Halterdaten aus behördlichen Datensystemen
BVerwG v. 19.01.2012:
Zum Fahren ohne Fahrerlaubnis während des Dienstes und Verfahrensfehler im Disziplinarverfahren