Das Verkehrslexikon

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Ist die MPU-Anordnung ein selbständig anfechtbarer Verwaltungsakt?




Gliederung:


-   Einleitung
-   Allgemeines
-   Rechtsprechung des BVerfG und des BVerwG
-   OVG-Rechtsprechungsbeispiele
-   Sonstige Rechtsprechung



Einleitung:


Hierbei handelt es sich um immer wieder von einzelnen Autoren aus der Versenkung geholtes Problem, das höchstrichterlich längst ablehnend entschieden ist. Bisher sind auch keine wirklich durchschlagenden Argumente zu sehen, die dogmatisch zuließen, von einer selbständigen Anfechtbarkeit einer MPU-Anordnung auszugehen.

Ausgangspunkt aller Überlegungen muss die gesetzliche Regelung in § 35 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) sein, in dem der Gesetzgeber bestimmt hat, was ein Verwaltungsakt ist.

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Allgemeines:


Stichwörter zum Thema medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)

Ist die Anordnung zur Beibringung eines MPU-Fahreignungsgutachtens ein selbständig anfechtbarer Verwaltungsakt?

BVerwG v. 05.07.2001:
Zur existenzsichernden Bedeutung der Fahrerlaubnis und zur Eingriffsschwere der MPU-Anordnung

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Rechtsprechung des BVerfG und des BVerwG:


BVerfG v. 24.06.1993:
Durch die Anordnung, ein medizinisch-psychologisches Gutachten einzuholen und der Behörde vorzulegen, wird in den Schutzbereich der privaten Lebensführung als Ausfluss des allgemeinen Persönlichkeitsrechts eingegriffen. Jeder Bürger muss jedoch staatliche Maßnahmen hinnehmen, die im überwiegenden Interesse der Allgemeinheit auf gesetzlicher Grundlage unter Wahrung des Verhältnismäßigkeitsgebots getroffen werden, soweit sie nicht den unantastbaren Bereich privater Lebensgestaltung beeinträchtigen.

BVerwG v. 28.11.1969:
Die Anordnung der Verwaltungsbehörde nach StVZO § 3 Abs 2, die dem Inhaber einer Fahrerlaubnis aufgibt, das Gutachten einer medizinisch-psychologischen Untersuchungsstelle über seine Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen beizubringen, ist kein anfechtbarer Verwaltungsakt.

BVerwG v. 17.05.1994:
Bei der Anordnung, ein Gutachten beizubringen, handelt es sich um eine vorbereitende Maßnahme, die der Sachverhaltsaufklärung im Hinblick auf die später zu treffende Entscheidung über die Entziehung der Fahrerlaubnis dient. Der Betroffene kann die Rechtswidrigkeit der Anordnung vielmehr im Rahmen eines Fahrerlaubnisentziehungsverfahrens oder einer Klage auf Erstattung der Untersuchungskosten geltend machen.

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OVG-Rechtsprechungsbeispiele:


OVG Münster v. 22.01.2001:
Die Anordnung der Fahrerlaubnisbehörde, ein medizinisch-psychologisches Gutachten beizubringen, ist auch unter Geltung der Fahrerlaubnis-Verordnung kein (selbständig anfechtbarer) Verwaltungsakt.

OVG Weimar v. 11.05.2004:
Die Anordnung der Fahrerlaubnisbehörde, ein Drogenscreening beizubringen, ist auch unter der Geltung der Fahrerlaubnis-Verordnung - wie auch die Anordnung einer MPU - kein Verwaltungsakt.

VGH München v. 09.11.2017:
Es ist höchstrichterlich geklärt und entspricht ständiger Rechtsprechung, dass es sich bei der Anordnung eines ärztlichen oder medizinisch-psychologischen Gutachtens nach der Fahrerlaubnis-Verordnung um eine Verfahrenshandlung nach § 44a VwGO und nicht um einen Verwaltungsakt nach Art. 35 BayVwVfG handelt und diese Aufforderung daher nicht selbstständig angegriffen werden kann (BVerwG B.v. 28.6.1996 – 11 B 36.96 – juris; B.v. 17.5.1994 – 11 B 157.93 – ZfSch 1994, 432; BayVGH, B.v. 6.8.2007 – 11 ZB 06.1818 – juris Rn. 3.; B.v. 22.5.2017 – 11 ZB 17.637 – juris Rn. 12; OVG SH, B.v. 11.4.2014 – 2 MB 11/14 – juris; OVG LSA, B.v. 14.9.2007 – 1 O 190/07 – juris; OVG Hamburg, B.v. 22.5.2002 – 3 Bs 71/02 – juris; vgl. auch Dauer in Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 44. Aufl. 2017, § 11 FeV Rn. 25). - Gegen die Gutachten-Anordnung sind weder die Anfechtungs- noch die Feststellungsklage oder der Antrag auf Erlass einer Anordnung im Eilverfahren zulässig. - nach oben -



Sonstige Rechtsprechung:


VG Augsburg v. 04.05.2006:
Nach herrschender Meinung in der Rechtsprechung gilt die Aufforderung zur Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens als Aufklärungsmaßnahme und ist damit kein selbständig anfechtbarer Verwaltungsakt, sondern nur eine Vorbereitungshandlung nach § 44 a VwGO. Auch der Normgeber geht in der Begründung zur Fahrerlaubnis-Verordnung davon aus, dass eine Aufforderung, ein Gutachten beizubringen, kein selbständig anfechtbarer Verwaltungsakt ist. Denn die Beibringungsaufforderung allein zieht noch keine Rechtsfolge gegenüber dem Betroffenen nach sich, es fehlt damit an dem für einen Verwaltungsakt nach Art. 35 Satz 1 BayVwVfG unabdingbaren Element der Regelung.

VG Neustadt v. 20.01.2016:
Auch unter Berücksichtigung abweichender Stimmen in der jüngeren juristischen Fachliteratur bleibt es dabei, dass die Anordnung eines medizinisch psychologischen Gutachtens durch die Fahrerlaubnisbehörde als vorbereitende Verfahrenshandlung nicht selbständig gerichtlich anfechtbar ist (st. Rspr.). Der Verweis auf nachträglichen (Eil)Rechtsschutz gegen die abschließende Sachentscheidung genügt dem Gebot eines effektiven Rechtsschutzes für den Betroffenen.

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 12.05.2026:
Zur Unzulässigkeit von Rechtsschutz gegen die Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) als Verfahrenshandlung

Verwaltungsgericht Minden v. 10.01.2022:
Inzidente Prüfung der Rechtmäßigkeit einer Gutachtenanordnung bei Kostenbescheid für verkehrsmedizinisches Gutachten

Verwaltungsgericht Aachen v. 27.04.2020:
Rechtmäßigkeit von Gutachtensanordnungen: Inzidentkontrolle, Erlasszeitpunkt und Voraussetzungen für Eignungszweifel

Oberverwaltungsgericht NRW v. 09.11.2016:
Zum Rechtsschutzbedürfnis einer isolierten Anfechtungsklage bei der Wiedererteilung der Fahrerlaubnis

Verwaltungsgericht Minden v. 15.10.2024:
Zur Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung bei Entziehung der Fahrerlaubnis wegen unverhältnismäßiger MPU-Fragestellung zu Cannabis-Folgen

Oberverwaltungsgericht NRW v. 31.08.2022:
Grenzen der MPU-Anordnung nach § 2a Abs. 5 Satz 5 StVG bei freiwilligem Fahrerlaubnisverzicht

Oberverwaltungsgericht NRW v. 13.07.2021:
Zur Anordnung eines MPU bei Neuerteilung der Fahrerlaubnis auf Probe nach langer Unterbrechung

BVerwG v. 01.07.2020:
Zur materiell-rechtlichen Teilbarkeit einer straßenverkehrsrechtlichen Anordnung bei Anfechtung eines Zusatzzeichens

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 12.12.2017:
Anforderungen an ein negatives MPU-Gutachten für die Entziehung der Fahrerlaubnis

Oberverwaltungsgericht NRW v. 11.08.2026:
Zur Rechtmäßigkeit der Fahrerlaubnisentziehung bei Nichtvorlage eines MPU-Gutachtens und späterem Freispruch im Bußgeldverfahren.

Verwaltungsgericht Minden v. 31.10.2025:
Entziehung der Fahrerlaubnis bei Nichtvorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens nach Alkoholfahrt

Oberverwaltungsgericht NRW v. 23.06.2025:
Zur Fahrerlaubnisentziehung wegen Aggressionspotenzials aus verkehrsfremden Straftaten bei nicht beigebrachtem MPU-Gutachten

Verwaltungsgericht Köln v. 15.04.2025:
Entziehung der Fahrerlaubnis: Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung bei fehlerhafter MPU-Anordnung

Verwaltungsgericht Köln v. 24.04.2024:
Zur Fahrerlaubniserteilung bei Alkoholabhängigkeit: Rechtmäßigkeit der MPU-Anordnung und Folgen der Nichtbeibringung.

Oberverwaltungsgericht NRW v. 08.06.2022:
Rechtmäßigkeit der MPU-Anordnung als Voraussetzung für den Schluss auf Nichteignung nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV

Oberverwaltungsgericht NRW v. 17.12.2020:
Anforderungen an die Ermessensausübung bei Anordnung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens nach § 14 Abs. 1 Satz 3 FeV

Verwaltungsgericht Köln v. 16.04.2019:
Untersagung des Führens fahrerlaubnisfreier Fahrzeuge wegen fehlender MPU nach Trunkenheitsfahrt mit hoher BAK

Oberverwaltungsgericht NRW v. 13.06.2018:
Anforderungen an die Ermessensausübung bei der Anordnung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens (MPU) bei Berücksichtigung älterer Straftaten

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 24.10.2017:
Zur Rechtmäßigkeit der Fahrerlaubnisentziehung bei Nichtbeibringung eines MPU-Gutachtens nach Alkoholfahrt mit dem Fahrrad

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 24.11.2016:
Entziehung der Fahrerlaubnis bei Nichtvorlage eines MPU-Gutachtens nach wiederholten Verstößen in der neuen Probezeit

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 28.07.2016:
Zur Entziehung der Fahrerlaubnis bei Nichtbeibringung eines MPU-Gutachtens nach Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad

Verwaltungsgericht Würzburg v. 30.07.2026:
Fahrerlaubnisentziehung: Sofortige Vollziehbarkeit bei nicht fristgerechter MPU-Vorlage trotz Betrug durch MPU-Vorbereiter

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 12.04.2016:
Zur Entziehung der Fahrerlaubnis wegen Nichtbeibringung eines MPU-Gutachtens nach Trunkenheitsfahrt mit Fahrrad (2,24 ‰)

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 07.04.2016:
Fahrerlaubnisentzug bei MPU-Weigerung nach Trunkenheitsfahrt und hoher BAK (1,64 Promille) als Indiz für Alkoholmissbrauch

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 14.11.2017:
Verwertung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zur Feststellung der Fahrungeeignetheit

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 22.07.2014:
Zur Entziehung der Fahrerlaubnis wegen mangelnder Fahreignung nach medizinisch-psychologischem Gutachten (MPU)

Verwaltungsgericht Köln v. 25.03.2014:
Zur Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung bei Entziehung der Fahrerlaubnis wegen rechtswidriger MPU-Anordnung außerhalb des Punktesystems

Oberverwaltungsgericht NRW v. 02.12.2013:
Zur vorläufigen Erteilung einer Fahrerlaubnis bei unwirksamer Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung

Oberverwaltungsgericht NRW v. 07.02.2013:
Zur Rechtmäßigkeit einer MPU-Anordnung bei Straftaten ohne und mit Verkehrsbezug

OLG Hamm v. 28.11.2011:
Ordnungswidrigkeit nach FPersG: Voraussetzungen eines verbindlichen Verwaltungsakts und aufschiebende Wirkung von Rechtsbehelfen

Oberverwaltungsgericht NRW v. 18.05.2012:
Zur gerichtlichen Durchsetzung der Überlassung einer Fahrerlaubnisakte für eine erneute MPU gemäß § 44a VwGO

Oberverwaltungsgericht NRW v. 13.04.2012:
Formelle Anforderungen an die Anordnung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens (MPU) bei Alkoholauffälligkeit

Verwaltungsgericht Minden v. 03.11.2011:
Widerruf der Fahrlehrerlaubnis wegen Unzuverlässigkeit; Verwertbarkeit eines MPU-Gutachtens

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 04.07.2006:
Anordnung eines ärztlichen Gutachtens im Fahrerlaubnisrecht: Keine selbständig anfechtbarer Verwaltungsakt

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 01.06.2005:
Zur Unzulässigkeit der selbstständigen Anfechtung einer Gutachtenanordnung und der Rechtmäßigkeit der Gebührenfestsetzung im Fahrerlaubnisrecht

Verwaltungsgericht Köln v. 28.01.2008:
Fachaufsichtliche Weisung bei gemeindlichem Verkehrskonzept nach § 45 Abs. 1b Nr. 5 StVO

Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt v. 05.07.2013:
Nichtvorlage (MPU-Gutachten)

Verwaltungsgericht Stuttgart v. 08.09.2016:
Aggressionspotential

Verwaltungsgericht Würzburg v. 06.03.2025:
Nichtvorlage (Facharzt-Gutachten)

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