Das Verkehrslexikon

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Unfälle mit minderjährigen Radfahrern




Gliederung:


-   Allgemeines



Allgemeines:


Unfälle mit Kindern

Zum Haftungsprivileg für Kinder und die Haftung von Jugendlichen für ihr Handeln

Unfälle mit Radfahrerbeteiligung

Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern

Die Pflicht von Eltern und sonstigen Aufsichtspersonen zur Beaufsichtigung von Kindern und sonstigen Schutzbefohlenen

BGH v. 13.02.1990:
Eine völlige Freistellung von der Gefährdungshaftung nach StVG § 7 Abs 1 wegen des grob verkehrswidrigen Verhaltens eines altersgemäß in den Straßenverkehr noch nicht voll integrierten (hier: achtjährigen) Kindes setzt voraus, dass der Sorgfaltsverstoß des Kindes altersspezifisch auch subjektiv besonders vorwerfbar war.

LG Nürnberg-Fürth v. 28.11.1990:
Befährt ein Radfahrer den Radweg in verkehrter Fahrtrichtung und kommt es zu einem Unfall, weil ein ihm mit einem Fahrrad entgegenkommendes Kind dadurch verunsichert wird und stürzt, so haftet der in falscher Richtung fahrende Radfahrer voll für den Schaden des Kindes.

OLG Hamm v. 30.09.1996:
Im verkehrsberuhigten Bereich darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Fährt ein Kind mit dem Fahrrad schneller, muß ein darin etwa liegendes geringes Verschulden dann zurücktreten, wenn beim Pkw überhöhte Geschwindigkeit (mehr als 20 km/h) und hohe Betriebsgefahr des Fahrzeugs vorliegen.

OLG Brandenburg v. 15.09.1999:
Zwar müssen sich gemäß § 3 Abs. 2 a StVO Fahrzeugführer gegenüber Kindern so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Jedoch muss sich der Kraftfahrer nicht immer und unter allen Umständen darauf gefasst machen, dass sich ein in der Nähe der Fahrbahn befindliches Kind unbesonnen verhalten werde. Das gilt jedenfalls für ältere Kinder im Alter von 12 Jahren, bei denen Kenntnisse der elementaren Verkehrsregeln vorausgesetzt werden können und darauf vertraut werden kann, dass sie ihr Verhalten im Straßenverkehr danach ausrichten werden. Bei besonders grobem Verschulden des kindlichen Radfahrers kann die Betriebsgefahr des unfallbeteiligten Kfz zurücktreten.

LG Mönchen-Gladbach v. 14.10.2002:
Es stellt keine Aufsichtspflichtverletzung dar, wenn der Aufsichtspflichtige auf dem Radweg ca. 7 m vor seinem Kind herfährt. Eine unfallursächliche Aufsichtspflichtverletzung ist auch nicht darin zu sehen, dass das 5-jährige Kind entgegen § 2 Abs. 5 Satz 1 StVO statt auf dem Gehweg auf dem Radweg fährt, weil sich der Unfallgegner auf den Verstoß gegen § 2 Abs. 5 S. 1 StVO nicht berufen kann, da er vom Schutzbereich dieser Norm als Linksabbieger nicht erfasst wird.

AG Wismar v. 09.11.2005:
Kommt es auf einer Kreuzung zwischen einem vorfahrtberechtigten kfz und einem 12jährigen Radfahrer, der ein Stoppschild missachtet und die Kurve schneidet, zu einem Unfall, so haftet der kindliche Radfahrer voll für die Unfallfolgen.

OLG Saarbrücken v. 24.04.2012:
Stehen sich in der Abwägung der Mitverschuldensanteile die einfache Betriebsgefahr des unfallverursachenden PKWs und das einfach fahrlässige Verschulden eines erst 12 Jahre alten Radfahrers gegenüber, besteht im Regelfall kein Anlass, die Haftung des Halters auf eine Quote von weniger als 50% zu beschränken.

OLG Hamm v. 08.02.2013:
Allein die Tatsache, dass ein 6 Jahre altes Kind ohne ständige Beaufsichtigung den vor dem elterlichen Haus gelegenen Gehsteig mit seinem Kinderfahrrad benutzt, vermag eine Aufsichtspflichtverletzung der Eltern nicht zu begründen, wenn das Kind das von ihm seit ca. 3 Jahren benutzte Fahrrad sicher fahren kann und die Eltern sich davon überzeugt haben, dass es die erteilte Anweisung, ausschließlich den Gehsteig zu benutzen und dem Radweg und der Straße fernzubleiben, beachtet.

LG Saarbrücken v. 13.02.2015:
Schulpflichtige Kinder dürfen sich grundsätzlich bereits ab dem 6. Lebensjahr allein im Straßenverkehr bewegen, wenn keine speziellen Gefahrenquellen entgegenstehen. Denn zum Erlernen eines selbstständigen und umsichtigen Verhaltens im Straßenverkehr gehört die Möglichkeit, sich ohne ständige direkte Kontrolle und Anleitung im Verkehr zu bewähren. Beherrscht ein Kind das Radfahren in technischer Hinsicht, setzt die Erfüllung der Aufsicht der Eltern dann voraus, dass das Kind über Regeln und Gefahren der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr mit dem Fahrrad belehrt wurde. Daneben kommt es für die Beurteilung der Frage, ob in der konkreten Verkehrssituation eine Verletzung der Aufsichtspflicht der Eltern dadurch, dass sie nicht präsent waren, darauf an, ob das Kind mit der Wegstrecke vertraut war.

LG Dortmund v. 19.02.2015:
Ein 14-jähriger, der im Straßenverkehr bereits geübt gewesen ist und regelmäßig mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilgenommen hat, ist gemäß § 828 Abs. 3 BGB für sein Verhalten als verantwortlich anzusehen. - Soweit er davon ausgegangen ist, die Kreuzung noch vor einem von rechts kommenden Pkw überqueren zu können beruht diese Fehleinschätzung nicht auf mangelnder Erkenntnis der Verantwortlichkeit, sondern auf einer altersunabhängigen Fehleinschätzung der äußeren Umstände.

OLG Hamm v. 04.04.2025:
Zur Haftungsteilung bei Kollision eines 11-jährigen Radfahrers mit Pkw trotz beidseitiger Verkehrsverstöße

Amtsgericht Remscheid v. 18.07.2024:
Zur Haftungsverteilung bei Verkehrsunfall zwischen Fahrradfahrer (Minderjähriger) und Pkw an unübersichtlicher Kreuzung trotz 'rechts vor links'.

Landgericht Siegen v. 06.02.2024:
Zur Haftungsverteilung bei Kollision zwischen Pkw und elfjährigem Fahrradfahrer auf dem Gehweg im Einmündungsbereich

Amtsgericht Cham v. 19.05.2026:
Zur Haftung eines elfjährigen Radfahrers bei Vorfahrtsverstoß und Deliktsfähigkeit nach § 828 Abs. 3 BGB

Landgericht Ingolstadt v. 14.06.2024:
Zur elterlichen Aufsichtspflicht bei einem siebenjährigen, erfahrenen Radfahrer im Straßenverkehr

Amtsgericht Düsseldorf v. 03.09.2021:
Zur Haftung des aufsichtspflichtigen Elternteils bei Radwegbenutzung durch 6-jähriges Kind entgegen § 2 Abs. 5 S. 1, 2 StVO

Amtsgericht Pfaffenhofen v. 23.07.2021:
Haftung der Eltern bei Fahrradunfall eines minderjährigen Kindes: Anforderungen an die Aufsichtspflicht

OLG Hamm v. 28.05.2019:
Zur Zurechnung eines Sturzes nach Ausweichmanöver vor rückwärtsfahrendem Pkw zum Fahrzeugbetrieb

OLG Hamm v. 27.12.2024:
Zur Haftung der sorgeverpflichteten Person bei Verkehrsunfall eines Minderjährigen nach Aussteigen und Überqueren der Fahrbahn

Landgericht Bonn v. 30.10.2023:
E-Scooter-Unfall: Haftung Minderjähriger, Versicherungspflicht und Erstattungsfähigkeit von Gutachterkosten bei Bagatellschaden

Landgericht Köln v. 23.10.2023:
Zur Haftung bei Vorfahrtsverletzung durch Pkw gegenüber Rennradfahrer: Schmerzensgeld und Verdienstausfall

OLG Hamm v. 27.02.2024:
Sorgfaltspflicht beim Vorbeifahren an haltendem Bus mit aussteigenden Kindern; Schmerzensgeldbemessung

Landgericht Münster v. 06.10.2023:
Zurücktreten der Betriebsgefahr bei schwerem Mitverschulden eines zehnjährigen Kindes beim Überqueren der Fahrbahn zwischen stehenden Fahrzeugen

Amtsgericht Kempten v. 19.02.2025:
Zur Aufsichtspflicht der Eltern bei verkehrstüchtigem Schulkind im Straßenverkehr; keine Gefährdungshaftung

Landgericht Nürnberg-Fürth v. 20.07.2023:
Mithaftung eines 10-jährigen Fußgängers beim unachtsamen Betreten der Fahrbahn und hohes Schmerzensgeld

Landgericht Nürnberg-Fürth v. 27.10.2022:
Haftung bei Pkw-Rennrad-Kollision auf bevorrechtigtem Radweg trotz überhöhter Geschwindigkeit des Radfahrers

Landgericht Münster v. 27.09.2021:
Alleinige Haftung des Radfahrers bei Kollision im Kreisverkehr nach Falschfahrt auf Radweg

OLG Bamberg v. 20.07.2021:
Haftungsverteilung bei Verkehrsunfall zwischen Radfahrer und Pkw-Fahrer an Fußgängerfurt mit Grünpfeil

OLG München v. 03.03.2021:
Haftungsverteilung bei Kollision nach unachtsamen Einfahren eines Radfahrers von Gehweg auf Fahrbahn (§ 10 StVO)

OLG Hamm v. 22.11.2022:
Sorgfaltspflicht beim Überholen von Radfahrern; kein Mitverschulden bei fehlendem Fahrradhelm im Jahr 2016

OLG Köln v. 27.09.2018:
Zur Aktivlegitimation des Versicherers bei Feststellungsklage für künftige Schäden und Haftung bei Kinderunfällen

OLG Düsseldorf v. 15.02.2018:
Haftungsverteilung bei Verkehrsunfall zwischen Pkw und 10-jähriger Fußgängerin: Rotlichtverstoß und verspätete Reaktion des Fahrers

Landgericht Münster v. 07.11.2018:
Haftung bei Fahrradunfall auf kombiniertem Geh- und Radweg: Spurwechsel des Fußgängers, fehlende Warnung und Geschwindigkeit des Radfahrers

OLG Hamm v. 21.11.2023:
Haftung bei Unfall mit Laufrad fahrendem Kleinkind auf Geh- und Radweg: Aufsichtspflicht der Eltern und Mitverschulden des Radfahrers

Landgericht Hagen v. 28.06.2021:
Zum Umfang der elterlichen Aufsichtspflicht bei einem 7-jährigen Kind im Straßenverkehr

Landgericht Wuppertal v. 17.10.2017:
Zur Aufsichtspflicht der Eltern bei Nutzung eines Fahrrads ohne Kettenschutz durch ein Kind im Straßenverkehr

OLG Düsseldorf v. 25.11.2014:
Volle Haftung des Pkw-Fahrers bei Kollision mit kindlichem Radfahrer wegen Beobachtungsverschuldens trotz psychischer Prädisposition des Kindes

OLG Hamm v. 08.02.2013:
Zur Aufsichtspflicht der Eltern für einen 6 Jahre und einen Monat alten Jungen, der mit einem Kinderrad den vor dem elterlichen Haus gelegenen öffentlichen Gehs

Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt v. 02.02.2012:
Elterliche Aufsichtspflicht bei Rad fahrendem Kind auf Spielstraße

Landgericht Aachen v. 11.08.2011:
Zur Haftungsverteilung bei einem Unfall zwischen Pkw und 10-jährigem Fahrradfahrer beim Verlassen des Gehwegs

OLG Hamm v. 20.01.2009:
Haftung bei Fahrradunfall durch Vertreter eines Zeitungsboten

Landgericht Dortmund v. 09.12.2008:
Zur Mithaftung eines 10-jährigen Radfahrers bei Verkehrsunfall; kein Mitverschulden wegen fehlendem Fahrradhelm

Landgericht Bochum v. 11.11.2008:
Haftungsprivileg für Kinder bei Kollision mit nicht ordnungsgemäß geparktem Fahrzeug

Landgericht Duisburg v. 21.02.2007:
Zur Deliktsfähigkeit eines achtjährigen Kindes bei Kollision mit einem parkenden Fahrzeug mit offenen Türen

Landgericht Duisburg v. 01.02.2007:
Zur Haftung eines achtjährigen Kindes bei einem Verkehrsunfall mit einem Fahrrad, das auf die Fahrbahn rollt

Amtsgericht Bünde v. 06.04.2006:
Zum Umfang der elterlichen Aufsichtspflicht bei einem knapp siebenjährigen, Fahrrad fahrenden Kind

Amtsgericht Duisburg-Ruhrort v. 02.01.2006:
Haftungsbefreiung eines 8-jährigen Kindes bei Kollision mit offener Fahrzeugtür im Straßenverkehr

OLG Oldenburg v. 04.11.2004:
Verkehrsunterricht

Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck v. 18.06.2003:
Haftungsprivileg (Kinder)

Landgericht Bielefeld v. 10.03.2004:
Kinder-Unfälle

Landgericht Düsseldorf v. 10.08.2001:
Inline-Skates

OLG Hamm v. 09.06.2000:
Kindliche Radfahrer

Verwaltungsgericht Arnsberg v. 29.10.1999:
Seitenstreifen (BAB)

Amtsgericht Essen v. 20.05.1987:
Linienbus

Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht v. 29.05.2024:
Haftungsprivileg (Kinder)

Amtsgericht Erfurt v. 19.08.2020:
MPU und Radfahrer

Amtsgericht GieBen v. 14.08.2012:
Nutzungsausfall (Fahrrad)

Landgericht Bayreuth v. 23.05.2022:
Grundstücksausfahrt

KG v. 14.09.2017:
Inline-Skates

Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht v. 04.08.2017:
Ausweichen

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