Bei der Entstehung und bei der Abwicklung ist der Geschädigte gehalten, den Schaden für den Schädiger so gering wie möglich zu halten; aus dieser Verpflichtung ergeben sich für die Regulierungspraxis häufig schwierige Abwägungsprobleme.
Die Verletzung dieser Pflicht stellt ein echtes Mitverschulden dar, das zu einer Kürzung der dem Geschädigten zustehenden Ersatzansprüche bis zu deren völlligem Untergang führen kann. Die Beweislast für eine Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht hat der Schädiger, jedoch obliegt dem Geschädigten, wenn die Möglichkeiten der Schadensminderung in seiner Sphäre liegen (Kreditmöglichkeiten, Bestehen einer Vollkaskoversicherung) eine weitgehende Pflicht zu Darstellung seiner persönlichen Verhältnisse.
Auch im Versicherungsverhältnis obliegt dem Versicherungsnehmer nach ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmungen (§§ 62, 63 VVG) eine Verpflichtung zur Vermeidung bzw. Geringhaltung des Schadens.
OLG Köln v. 19.06.2006:
Es liegt kein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht vor, wenn der Geschädigte, der nicht Inhaber einer Kreditkarte ist, nach einem Verkehrsunfall am 2. Weihnachtstag einen Mietwagen zu einem deutlich über dem Normaltarif liegenden Mietpreis anmietet.
AG Baden-Baden v. 02.03.2009:
Meldet der Geschädigte den Schaden sofort dem gegnerischen Versicherer und verzichtet er im Interesse der Geringhaltung des Schadens er auf ein eigenes Gutachten, ist er berechtigt, eine Bestätigung der Einstandspflicht abzuwarten und eine Ausfallzeit von 21 Tagen kann ihm nicht angelastet werden, wenn der Versicherer erst nach 9 Tagen seine Einstandspflicht bestätigt.
LG Saarbrücken v. 24.09.2010:
Der ersatzpflichtige Schädiger kann den Unfallgeschädigten auf eine gleichwertige und kostengünstigere "Smart-Repair-Methode" verweisen, wenn es sich bei dem Unfallschaden lediglich um eine kleine kaum sichtbare Eindellung am Fahrzeug handelt, und wenn diese Reparaturmethode mühelos und ohne Weiteres zugänglich ist. Ggf. muss der Geschädigte darlegen, weshalb die ihm angesonnenen Reparatur nicht zumutbar ist.
BGH v. 14.09.2004:
Der selbst nicht vorsteuerabzugsberechtigte Geschädigte ist unter dem Gesichtspunkt seiner Obliegenheit zur Schadensminderung (§ 254 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 BGB) auch dann nicht gehalten, Aufträge zur Instandsetzung der beschädigten Sache im Namen des vorsteuerabzugsberechtigten Schädigers zu erteilen, wenn dieser ihm die Abtretung sämtlicher Gewährleistungsansprüche anbietet.
OLG Saarbrücken v. 27.11.2014:
Als erforderlich sind diejenigen unfallbedingten Aufwendungen anzusehen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Wenn der Geschädigte die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann, so ist er nach dem Begriff des Schadens und dem Zweck des Schadensersatzes wie auch nach dem letztlich auf § 242 BGB zurückgehenden Rechtsgedanken des § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen. Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadensbehebung verlangt jedoch vom Geschädigten nicht, zu Gunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hätte.
LG Landau v. 14.04.2016:
Rechnet der Geschädigte - konkret oder fiktiv - die Reparaturkosten als Schaden ab und weist die Erforderlichkeit der Mittel durch eine Reparaturkostenrechnung oder durch eine ordnungsgemäßes Gutachten eines Sachverständigen nach, hat der Schädiger die Tatsachen darzulegen und zu beweisen, aus denen sich ein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht im Sinne des § 254 Abs. 2 BGB ergibt.
BGH v. 15.03.1994:
Die Verweigerung einer Heilung oder zumindest Besserung versprechenden Operation kann ein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht sein
Tätigkeitsaufnahme bei der gegnerischen Versicherung:
BGH v. 29.09.1998:
Die Schadensminderungspflicht kann es gebieten, eine Tätigkeit sogar beim gegnerischen Versicherer aufzunehmen und sich dafür ein Kfz. anzuschaffen
Amtsgericht Leverkusen v. 11.04.2025:
Zur Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten und den Anforderungen an ein konkretes Alternativangebot des Versicherers
Landgericht Memmingen v. 08.08.2024:
Zur Restwertberechnung bei wirtschaftlichem Totalschaden: Anforderungen an die Schadensminderungspflicht und Berücksichtigung von Restwertangeboten
Landgericht Schweinfurt v. 02.02.2024:
Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten: Kein Verstoß bei nicht direkt unterbreitetem oder unzureichendem Mietwagenangebot des Versicherers
Amtsgericht Bad Neustadt v. 30.05.2023:
Schadensminderungspflicht bei wirtschaftlichem Totalschaden: Keine Pflicht zur Annahme höherer Restwertangebote nach bindendem Verkauf
OLG Hamm v. 26.04.2023:
Zur Restwertermittlung am regionalen Markt und Schadensminderungspflicht bei Verwertung eines unfallbeschädigten Kfz.
Landgericht Münster v. 20.12.2022:
Wiederbeschaffungsaufwand bei Totalschaden: Restwertangebote aus dem Internet und Aktivlegitimation des Darlehensnehmers.
Amtsgericht Herford v. 13.06.2022:
Schadenminderungspflicht bei Abschleppkosten für Leasingfahrzeuge bei Weisungsgebundenheit gegenüber der Leasinggesellschaft.
OLG Hamm v. 29.08.2017:
Zur anwaltlichen Beratungspflicht bei Verkehrsunfall mit Mitverschulden und der Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung
OLG Düsseldorf v. 21.03.2017:
Schadensminderungspflicht bei Veräußerung eines Wohnmobils nach Sachverständigengutachten und höhere Restwertangebote des Versicherers.
Amtsgericht Siegburg v. 14.04.2016:
Zum Ersatz von Abschleppkosten zur Heimatwerkstatt trotz Schadensminderungspflicht bei drohenden Mehrkosten für Abholung
OLG Köln v. 16.09.2016:
Zur Ersatzfähigkeit von Mehraufwendungen für die private Krankenversicherung eines Kindes nach unfallbedingtem Verlust der Beihilfeberechtigung der Mutter
Landgericht Münster v. 31.05.2017:
Zum hohen Mitverschulden eines Unfallhelfers, der sich durch unsachgemäßes Abstellen des eigenen Fahrzeugs selbst verletzt
Landgericht Essen v. 21.12.2016:
Nutzungsausfallschaden: Schadensminderungspflicht bei fehlender Vorfinanzierung und unterbliebenem Hinweis an den Schädiger
Amtsgericht Schweinfurt v. 26.04.2023:
Zur Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten nach Hinweis auf günstigere Angebote durch den Kfz-Haftpflichtversicherer
Amtsgericht Schwabach v. 11.04.2023:
Zur Darlegungs- und Beweislast bei überhöhten Mietwagenkosten nach Verkehrsunfall und der Schadensminderungspflicht
Amtsgericht Erding v. 31.03.2023:
Zur Verweisung auf günstigere Referenzwerkstatt bei fiktiver Abrechnung und zum deklaratorischen Schuldanerkenntnis
Landgericht Köln v. 02.06.2021:
Zur Dauer des Nutzungsausfalls bei Neupreisentschädigung und der Schadensminderungspflicht des Geschädigten
Amtsgericht Bad Kissingen v. 09.03.2021:
Zur Schadensminderungspflicht bei der Suche nach einem Ersatzfahrzeug und der Realisierung des Werts von Restkraftstoff nach einem Unfall
Amtsgericht Köln v. 30.06.2016:
Zur Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten: Anforderungen an ein prüffähiges Verweisungsangebot
Landgericht Bonn v. 01.06.2018:
Zur Erforderlichkeit von Mietwagenkosten bei langer Mietdauer und geringem Einkommen des Geschädigten
Amtsgericht Bonn v. 18.10.2022:
Zum Werkstattrisiko des Schädigers bei Reparatur nach Gutachten, auch bei unbezahlter Rechnung und ohne Verstoß gegen Schadensminderungspflicht
OLG Düsseldorf v. 29.09.2020:
Zur Erstattungsfähigkeit von Finanzierungskosten (Darlehen, Restschuldversicherung) bei Ersatzbeschaffung nach Verkehrsunfall
Amtsgericht Köln v. 05.07.2018:
Mietwagenkosten: Anforderungen an Verweisungsangebot des Versicherers und Abzug ersparter Eigenaufwendungen
Amtsgericht Witten v. 17.06.2015:
Zur Schadensminderungspflicht bei der Verwertung eines Unfallfahrzeugs und der Maßgeblichkeit des tatsächlich realisierten Restwerts
Amtsgericht Bünde v. 17.06.2014:
Zur Schadensminderungspflicht bei der Verwertung eines Unfallfahrzeugs vor Information des Schädigers
Amtsgericht Düsseldorf v. 31.07.2015:
Zur Restwertberechnung und Veräußerung des Unfallfahrzeugs durch den Geschädigten ohne Abwarten von Versichererangeboten
Amtsgericht Aachen v. 22.05.2014:
Zur Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten: Notwendigkeit zügiger Gutachtenerstellung durch Geschädigten
OLG Hamm v. 10.03.2014:
Keine Pflicht des Leasinggebers zur gerichtlichen Geltendmachung von Kaskoversicherungsansprüchen bei Informationspflichtverletzung des Leasingnehmers
OLG Hamm v. 22.08.2014:
Zur Haftung der Gemeinde bei Verletzung der Räum- und Streupflicht auf einem Schulweg und Mitverschulden des Gestürzten
Amtsgericht Essen v. 23.08.2013:
Zur Schadensminderungspflicht bei fiktiver Abrechnung von Kfz-Schäden und Verweis auf eine freie Fachwerkstatt
Amtsgericht Essen v. 13.10.2011:
Schadensminderungspflicht: Weiterverkauf des Unfallfahrzeugs ohne Besichtigungsmöglichkeit für den Haftpflichtversicherer
Landgericht Essen v. 23.08.2011:
Zur Schadensminderungspflicht bei Reparaturkosten: Zumutbarkeit einer freien Fachwerkstatt nach Hinweis des Schädigers
Amtsgericht Solingen v. 06.12.2010:
Zur Verweisung auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer freien Werkstatt bei fiktiver Schadensabrechnung
Amtsgericht Krefeld v. 13.07.2011:
Zur Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten: Verweis auf Sonderkonditionen des Haftpflichtversicherers
Landgericht Aachen v. 21.02.2011:
Zur Verweisung auf freie Fachwerkstatt bei fiktiver Schadensabrechnung und Schadensminderungspflicht nach Verkehrsunfall
Amtsgericht Bonn v. 29.09.2011:
Schadensminderungspflicht bei Mietwagenkosten nach Verkehrsunfall bei günstigem Vermittlungsangebot des Haftpflichtversicherers
Amtsgericht Brühl v. 03.08.2011:
Nutzungsausfallentschädigung bei verkehrstauglichem Fahrzeug und Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht
Amtsgericht Köln v. 22.12.2009:
Zur Schadensminderungspflicht bei der Verwertung eines Unfallfahrzeugs: Restwertangebot des Versicherers nach bereits erfolgter Veräußerung.
Landgericht Detmold v. 16.12.2009:
Zur Schadensminderungspflicht: Keine Verweisung auf günstigere Reparaturmöglichkeit bei drohenden Gewährleistungsschwierigkeiten
OLG Köln v. 19.06.2009:
Zur Schadensminderungspflicht bei der Verwertung eines Unfallfahrzeugs und der Anrechnung des Restwerts
OLG Hamm v. 31.10.2008:
Schadensminderungspflicht bei Restwertverwertung: Berücksichtigung überregionaler Internetangebote für Unfallfahrzeuge
Amtsgericht Bochum v. 25.09.2008:
Zum Restwert eines unfallbeschädigten Fahrzeugs: Schadensminderungspflicht und Verwertung des Sachverständigengutachtens
Amtsgericht Düsseldorf v. 30.03.2007:
Zur Erstattungsfähigkeit von Sachverständigen- und Mietwagenkosten nach Verkehrsunfall unter Berücksichtigung der Schadensminderungspflicht
Amtsgericht Bonn v. 12.06.2007:
Zur Annahmefähigkeit und Nichtigkeit eines Mietwagenangebots des Haftpflichtversicherers im Rahmen des Schadensmanagements
OLG Düsseldorf v. 07.04.2008:
Zur Schadensminderungspflicht bei verzögerter Reparatur durch selbständiges Beweisverfahren zur Unfallrekonstruktion
OLG Düsseldorf v. 20.08.2007:
Verdienstausfall eines selbstständigen Senior Consultant nach Verkehrsunfall und Schadensminderungspflicht
OLG Düsseldorf v. 28.12.2005:
Unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit: Haftungsausfüllende Kausalität bei physischen und psychischen Folgeschäden
OLG Düsseldorf v. 29.09.2005:
Zur Verwertungspflicht der Leasinggeberin nach Leasingvertragsbeendigung und Darlegungs-/Beweislast bei Reparaturkosten und fiktivem Verwertungserlös
Amtsgericht Coburg v. 16.02.2022:
Zum Werkstattrisiko und der Schadensminderungspflicht bei Verweisung auf nicht existente Referenzwerkstatt nach Verkehrsunfall