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Unfälle zwischen wartepflichtigem Einbieger und Vorfahrtberechtigtem




Gliederung:


-   Allgemeines



Allgemeines:


Stichwörter zum Thema Vorfahrt

Lückenunfälle

Grundsätze bei einem Auffahren des Vorfahrtberechtigten auf einen ursprünglich wartepflichtigen Einbieger auf

Verstoß des Vorfahrtberechtigten gegen das Rechtsfahrgebot und Unfall mit Wartepflichtigem

Unfall zwischen rückwärts fahrendem Vorfahrtberechtigten und wartepflichtigem Einbieger

BGH v. 25.01.1994:
Der Fahrer eines schwerfälligen landwirtschaftlichen Gefährts, der außerorts nach links in eine bevorrechtigte Straße einfahren will, die bis zu einer 80 m entfernten Kurve einsehbar ist, braucht bei normalen Lichtverhältnissen am Tage keinen Einweiser zu Hilfe zu nehmen. Fährt der Einbiegende, der einen auf der Vorfahrtstraße herannahenden Kraftfahrer wegen einer Kurve noch nicht sehen kann, berechtigt in die Vorfahrtstraße ein, so erlischt das Vorfahrtrecht des Herannahenden mit der Folge, dass sich die beiderseitigen Verhaltenspflichten nunmehr nach StVO § 1 richten. Der Fahrer eines schwerfälligen Fahrzeugs, der berechtigt in eine Vorfahrtstraße nach links einbiegen will, muss in der Regel sofort anhalten, sobald ein auf der Vorfahrtstraße herannahender Verkehrsteilnehmer für ihn sichtbar wird. Er darf den Einbiegevorgang nur dann fortsetzen, wenn er nach der Verkehrslage darauf vertrauen kann, dass er die Fahrbahn für den herannahenden Verkehrsteilnehmer rechtzeitig frei machen kann.

KG Berlin v. 24.01.2002:
Nach dem Verlassen des Kreuzungsbereichs ist das Vorfahrtrecht des Berechtigten verbraucht. Insbesondere erstreckt sich das Vorfahrtsrecht aus § 8 StVO nicht auf Wendemanöver, die in einem Bereich 20 m hinter der Kreuzung bzw. dem Einmündungsbereich der wartepflichtigen Straße durchgeführt werden. Für diese gilt vielmehr die Vorschrift des § 9 Abs. 5 StVO.

OLG Brandenburg v. 08.03.2007:
Die Wartepflicht des § 8 Abs. 2 StVO gilt nicht nur für die Kreuzungsfläche, sondern darüber hinaus bis zur vollständigen Einordnung des Wartepflichtigen auf der vorfahrtberechtigten Straße bzw. bis die auf der Vorfahrtstraße allgemein eingehaltene Geschwindigkeit erreicht wird oder der Wartepflichtige sich bereits in stabiler Geradeausfahrt befindet.

OLG München v. 03.07.2009:
Den Fahrzeugführer, der bei für ihn geltendem Verkehrszeichen "Vorfahrt gewähren" in eine in eine Vorfahrtstraße einfährt, trifft bei einer Kollision mit einem Fahrer eines Motorrollers das ganz überwiegende Verschulden, wenn er freie Sicht auf die Straße und damit auch auf den Motorrollerfahrer hatte und letzterem eine relevante Geschwindigkeitsüberschreitung nicht vorzuwerfen ist.

LG München v. 13.07.2010:
Biegt ein Verkehrsteilnehmer aus der untergeordneten Straße nach links in die übergeordnete Straße ein und kollidiert er in räumlich-örtlichem Zusammenhang des Einbiegens mit dem von hinten kommenden Fahrzeug, so spricht der Beweis des ersten Anscheins für ein Einbiegen unter Missachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt. Kollidiert ein unter Missachtung des Vorfahrtsrechts in die bevorrechtigte Straße einfahrendes Räumfahrzeug mit einem zu schnell von hinten herannahenden Pkw, kann eine Haftung von 1/3 zu 2/3 zu Lasten des Räumfahrzeugs angemessen sein.

OLG Celle v. 28.12.2011:
Kann und muss ein wartepflichtiger Kfz-Führer einen unter berechtigter Inanspruchnahme von Sonderrechten mit 90 km/h herannahenden Rettungswagen bereits aus einer Entfernung von 260 m sehen, dann beruht eine unter Verletzung des Vorfahrtsrechts zu Stande gekommene Kollision allein auf dem groben Verschulden des wartepflichtigen Kfz-Führers. Wegen der erhöhten Betriebsgefahr des schnell fahrenden Rettungswagens ist eine Berücksichtigung von 25% aus der Betriebsgefahr zu Lasten des Eigentümers des Rettungswagens zu berücksichtigen.

LG Schwerin v. 16.12.2013:
Kommt es zwischen einem Fahrzeug des fließenden Verkehrs und einem in eine Bundesstraße einfahrenden Sattelzug zu einer Kollision, liegt Auffahrunfall nur dann vor, wenn das Einfahren des Sattelzuges bereits abgeschlossen war und der Sattelzug sich bereits im fließenden Verkehr befunden hat. Der Einfahrende muss sich vergewissern, dass die Fahrbahn für ihn im Rahmen der gebotenen Sicherheitsabstände frei ist und dass er niemanden übermäßig behindert. - Beruht die Kollision auf der mangelnden Aufmerksamkeit des Auffahrenden und trifft den Fahrer des einfahrenden Sattelzuges kein unfallverursachendes Verschulden, so kann unter Berücksichtigung der jeweiligen Betriebsgefahr eine Haftungsverteilung von 1/3 zu 2/3 zu Lasten des Auffahrenden angemessen sein.

OLG Oldenburg v. 31.07.2014:
Kommt es zur Kollision eine bevorrechtigten Kfz und einer wartepflichtigen Radfahrerin, weil diese den Pkw übersehen hat, obwohl dieser nicht durch einen gleichzeitig in seiner Fahrtrichtung auf der Busspur haltenden Linienbus ohne Warnblinklicht nicht verdeckt wurde, tritt die Betriebsgefahr des Kfz zurück und ist die volle Haftung der Radfahrerin gerechtfertigt.

LG Saarbrücken v. 29.04.2016:
Fährt ein Wartepflichtiger aus einer untergeordneten Straße nach rechts in eine bevorrechtigte Straße ein und stößt er in dem durch die Vorfahrt geschützten Bereich mit einem vorfahrtsberechtigten Fahrzeug zusammen, spricht gegen den Wartepflichten jedenfalls dann der Anscheinsbeweis, wenn er - etwa wegen der Straßenbreite - nicht darauf vertrauen durfte, dass er ohne Behinderung oder Gefährdung des bevorrechtigten Verkehrs in die Straße einfahren durfte.

OLG München v. 24.06.2016:
Nähert sich der Vorfahrtberechtigte der Unfallkreuzung auf einer Kreisstraße mit einer Annäherungsgeschwindigkeit von ca. 100 km/h und kommt es ca. 65 m nach der Kreuzung zur Kollision mit einem mit ca. 50 bis 70 km/h eingebogenen Fahrzeug, das nach dem Einbiegen stark beschleunigt hat, so steht fest, dass der Unfall durch eine relativ leichte Bremsverzögerung des Bevorrechtigten von 1,5 m/Sek.² bis 2,1 m/Sek.² hätte vermieden werden können. Beträgt die ortsübliche Geschwindigkeit trotz der Begrenzung auf zulässige 100 km/h an der Unfallstelle lediglich ca. 70 km/h , so handelt es sich nicht mehr um eine Vorfahrtsverletzung des Wartepflichtigen, sondern um einen Auffahrunfall des Vorfahrtberechtigten mit den üblichen Rechtsfolgen.

Amtsgericht Erkelenz v. 30.09.2024:
Zur alleinigen Haftung des Wartepflichtigen bei Vorfahrtsverstoß trotz Fahrens des Vorfahrtsberechtigten auf linker Fahrbahnseite

Amtsgericht Schleiden v. 31.07.2023:
Zur Alleinhaftung des Vorfahrtsverletzers bei Verkehrsunfall; kein Mitverschulden des Vorfahrtsberechtigten nachweisbar

OLG Hamm v. 22.08.2023:
Zur Sorgfaltspflicht beim Einfahren auf eine Vorfahrtstraße mit unmittelbar anschließendem Abbiegen in eine Grundstückseinfahrt

Amtsgericht Dortmund v. 14.09.2022:
Vorfahrtsverletzung: Haftungsausschluss für Vorfahrtsberechtigten bei unabwendbarem Ereignis

OLG Nürnberg v. 24.10.2023:
Haftungsverteilung bei Kollision: Vorbeifahren an Hindernis und Einfahren/Wenden aus Zufahrt

Landgericht Münster v. 20.01.2023:
Zur Haftungsverteilung bei Kollision nach Einbiegen eines Gespanns auf eine Vorfahrtsstraße bei Dunkelheit

Landgericht Bielefeld v. 19.10.2022:
Zur Vorfahrtsverletzung beim Einbiegen in eine Straße und der Bedeutung des Rechtsfahrgebots bei parkenden Fahrzeugen

OLG Hamm v. 23.09.2022:
Zur Reichweite des Vorfahrtsrechts "rechts vor links" und der Betriebsgefahr bei zu weit links fahrendem Vorfahrtsberechtigten

Amtsgericht Kerpen v. 23.03.2021:
Zur Haftung bei Kollision nach Einfahren aus einem Grundstück in den fließenden Verkehr (§ 10 S. 1 StVO)

OLG Hamm v. 09.06.2020:
Zur "halben Vorfahrt" und dem Vertrauensgrundsatz bei unübersichtlichen Kreuzungen

Amtsgericht Iserlohn v. 08.08.2019:
Zur Alleinverantwortung bei Einbiegen von Grundstück auf Straße und Verstoß gegen § 10 StVO

Amtsgericht Solingen v. 30.01.2018:
Alleinhaftung bei Vorfahrtsverletzung aus untergeordneter Straße; Zurücktreten der Betriebsgefahr

Landgericht Münster v. 27.03.2019:
Zur Haftung bei Vorfahrtsverletzung an einer 'rechts vor links'-Kreuzung trotz eingeschränkter Sicht des Vorfahrtsberechtigten

Amtsgericht Offenburg v. 08.07.2026:
Zur alleinigen Haftung bei Vorfahrtsverletzung an unübersichtlicher Einmündung und Missachtung der Hineintastpflicht

Landgericht Wuppertal v. 12.07.2018:
Pflicht des Wartepflichtigen, Fahrstreifenwechsel des Vorfahrtberechtigten bei Baustellen zu antizipieren

Landgericht Münster v. 24.05.2017:
Zur Alleinhaftung bei Vorfahrtsmissachtung an unübersichtlicher Einmündung trotz Betriebsgefahr des Bevorrechtigten

OLG Hamm v. 26.04.2024:
Zur Reichweite der Vorfahrtsberechtigung beim Einbiegen in einen Einmündungstrichter und die Beachtung des Rücksichtnahmegebots

Amtsgericht Bonn v. 25.10.2022:
Haftung bei Fahrspurwechsel im Kreisverkehr und Wartepflicht beim Einfahren

Amtsgericht Kempen v. 12.08.2022:
Zur Alleinhaftung bei schwerwiegender Missachtung der Rechts-vor-Links-Vorfahrtsregelung

OLG Düsseldorf v. 10.02.2015:
Haftungsverteilung bei Kollision an unübersichtlicher 'rechts vor links'-Einmündung mit reduziertem Vorfahrtsrecht

Amtsgericht Essen v. 14.03.2013:
Zur Haftung bei Verkehrsunfall infolge Missachtung der Vorfahrt aus untergeordneter Straße

Landgericht Essen v. 28.02.2013:
Zum Anscheinsbeweis bei Vorfahrtsverletzung trotz Fahrstreifenwechsels des Vorfahrtberechtigten auf der Vorfahrtstraße

OLG Düsseldorf v. 14.02.2012:
Zur groben Vorfahrtsverletzung an unübersichtlicher Kreuzung und deren Auswirkungen auf die Haftungsabwägung

Amtsgericht Langenfeld v. 30.01.2012:
Keine Minderung der Wartepflicht bei Verstoß des Vorfahrtsberechtigten gegen das Rechtsfahrgebot

Amtsgericht Kleve v. 03.11.2011:
Zur Alleinhaftung des Wartepflichtigen bei Vorfahrtsverletzung und Zurücktreten der Betriebsgefahr des Bevorrechtigten

OLG Köln v. 28.09.2010:
Gleichgewichtige Haftungsverteilung bei Verkehrsunfall: Einfahrendes landwirtschaftliches Gespann vs. herannahendes Fahrzeug

Landgericht Paderborn v. 21.02.2007:
Vorfahrtsverletzung: Volle Haftung des Wartepflichtigen bei Motorradunfall und Schadensersatz.

Landgericht Dortmund v. 30.09.2005:
Zur Haftungsverteilung bei Verkehrsunfall infolge Vorfahrtsverletzung und erheblicher Geschwindigkeitsüberschreitung

OLG Düsseldorf v. 07.03.2005:
Vorfahrtsverletzung auf öffentlich zugänglichem Privatgelände; Definition von Feld- und Waldwegen nach StVO

Landgericht Kiel v. 19.04.2007:
Ausfahrt aus Grundstücken

OLG Hamm v. 21.09.1999:
Fahrzeugbeleuchtung

Amtsgericht Esslingen am Neckar v. 21.03.2005:
Behinderte Verkehrsteilnehmer

OLG Koblenz v. 29.05.2006:
Rechts vor Links

OLG Koblenz v. 24.04.2006:
Vorfahrtregel "rechts vor links"

Pfälzisches Oberlandesgericht Zweibrücken v. 30.04.2002:
Einfahren in eine Bundesstraße

Amtsgericht Göttingen v. 03.05.2001:
Überholen

Landgericht Göttingen v. 30.04.2001:
Grundstücksausfahrt

Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen v. 16.11.2001:
Einfahren in eine Bundesstraße

OLG Köln v. 31.03.2000:
Pflanzkübel

OLG Köln v. 03.11.1999:
Wartelinie

Amtsgericht Menden v. 14.04.1999:
Verzicht (Vorfahrt / Vorrang)

OLG Hamm v. 15.03.1999:
Vorfahrt

OLG Köln v. 26.10.1995:
Nachzügler (Kreuzung)

OLG Köln v. 18.01.1993:
Anderer Straßenteil

Landgericht Duisburg v. 13.02.1979:
Vorfahrt

Landgericht Duisburg v. 13.02.1979:
Vorfahrt

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